Die Vorgeschichte zur Realisierung der Nebenstrecke Fröndenberg-Frömern-Unna

1882
Gründung des „Comité für die Errichtung einer Sekundärbahn Fröndenberg-Lünen“ beauftragt mit ersten Entwürfen für eine Realisierung.

1886
Genehmigung „der königlichen Regierung zu Arnsberg“ für Vorarbeiten.

1889
Einreichung des endgültigen Entwurfs. Zuvor wurde eine kostenintensivere Variante, welche die Bahnstrecke abseits der Dörfer entlangeführt hätte, seitens des preußischen Ministeriums für öffentliche Arbeiten abgelehnt.

1894
Es erfolgte die endgültige Genehmigung der königlichen Eisenbahndirektion Elberfeld durch Gesetz im preußischen Landtag. Die Vorarbeiten waren zu diesem Zeitpunkt jedoch noch nicht abgeschlossen.

1897
Nach zuvor schleppendem Verlauf nahm die Realisierung endlich Fahrt auf und es begann mit dem Bau des ersten 4km langen Streckenabschnitts bis Kessebühren. Aufgrund der kostengünstigen Auftragserteilung (100.000 Mark unter Veranschlagung) wurden fast ausschließlich Arbeiter aus den Randgebieten des damaligen deutschen Sprachraumes beschäftigt, welche in Lagern längs der im Bau befindlichen Trassen untergebracht waren.

1898
Planung und Errichtung des Bahnhofsgebäudes in Frömern als einzige Haltestelle des Streckenabschnitts.


Der Bahnhof gestern und heute…

2.1.1899
Feierliche Eröffnung des Nebenstrecke Unna-Frömern-Fröndenberg mit bekränzter Lokomotivfahrt und geschmückten Bahnhöfen von Unna über Frömern nach Fröndenberg. Auch wenn es sich hierbei um keine ofizielle Eröffnung seitens des preußischen Ministeriums handelte, wollten es sich die Einwohner nicht nehmen lassen dieses Ereignis festlich zu begehen.

Das Bahnhofsgebäude in Frömern wurde mit einem großem Empfangsgebäude, in dem sich auch ein großer Wartesaal und die privaten Räume des Bahnhofsvrostehers befanden, einem Stellwerk und einem Güterschuppen errichtet. Die Trasse vor dem Bahnhof waren zu diesem Zeitpunkt dreigleisig und umfasste ein Hauptgleis, Ausweichgleis und Abstellgleis mit direkter Anfahrt an den Güterschuppen.

1899 – 1978
Im weiteren Verlauf musste festgestellt werden, dass sich die hohen Ziele der Industrie an diese Teilstrecke nicht umsetzen lassen konnten. Der Personenverkehr  und auch die Abfertigung von Kohl und Zuckerrüben konnte die Kosten für den laufenden Betrieb bei Weitem nicht decken. Einzig und allein die militärische Wichtigkeit der Teilstrecke bewahrte den Bahnhof durch die Wirrungen der beiden Weltkriege und sogar bis zum Ende des kalten Krieges vor der Stillegung.

Zum 1.4.1955 löste die deutsche Bahn den Bahnhof in Frömern als bis dato selbstständige Hauptdienststelle auf und gliederte diesen als Nebenstelle an den Bahnhof Fröndenberg an. Am 1.6.1966 erfolgte letztendlich die Vollangliederung. Ab diesem Zeitpunkt wurde der Bahnhof nicht mehr durch einen Bahnhofsvorsteher bewohnt und bewirtschaftet. Letztendlich erfolgte am 28.5.1978 die Stillegung des Bahnhofsgebäudes und im Zuge dessen auch der Rückbau des Ausweich- und Ladegleises. Der allgemeine Zugverkehr wurde jedoch aufrecht erhalten. Die Haltestelle Frömern wird bis heute halbstündlich angefahren.

Bahnhofvorsteher in Frömern

  • 1936 – 1944 Herr Kühme
  • 1944 – 1947 Fritz Winkelkötter
  • 1947 – 1960 Walter Reinecke
  • 1960 – 1966 Georg Amft

1978-1989
Aufgrund der Stillegung verfiel das Bahnhofsgebäude zusehends und viel zahlreichen Vandalismus-Attacken zum Opfer. Zerborstene Schieferplatten und zugenagelte Fensterscheiben ließen dieses Gebäude ein tristes Dasein als „Schandfleck“ in Frömern fristen.

1989 – 2009
Da die Deutsche Bahn keine weitere Verwendung mehr für dieses heruntergekommene Gebäude hatte erfolgte der Verkauf in den Privatbesitz an Familie Schürmann. Von 1989-1991 erfolgten umfassende Sanierungen am Gebäude. Auf Initiative der Eigentümer wurde das Gebäude dem Denkmalschutz unterstellt. So ist das Gebäude bis heute in seinen Grundzügen erhalten geblieben. Das Gebäude wurde fortan als Wohn- und Geschäftsgebäude genutzt und umfasste neben den Privaträumen der Familie Schürmann auch eine psychologische Praxis, ein Wohnheim für schwer erziehbare Jugendliche und eine Gipswerkstatt.

2009 – heute
In Jahr 2009 wurde das Gebäude von Familie Becker erworben und über die Jahre grundlegend in Eigenleistung saniert. Der Vorplatz des Gebäudes ist mit historischem Kopfsteinpflaster in seinen ursprünglichen Zustand versetzt worden. Das Haupthaus wird bis heute als privater Wohnraum und Büro genutzt. Nach dem Umbau des ehemaligen Gütschuppens zu einer Goldschmiede erfolgte am 10.10.2010 die Eröffnung der überregional bekannten Goldschmiede Atelier Juvenile durch Familie Becker.


Das Atelier Juvenile ist vor allem für die traditionelle Weihnachtsausstellung „am alten Bahnhof“ bekannt, welche alljährlich am Wochendende nach „Allerheiligen“ stattfindet und zahlreiche Besucher anlockt. Im weiteren Verlauf wurde unter anderem 2014 das alte Stellwerk vollständig saniert und zu einem Geschäftsraum umgebaut. Im Gewölbekeller dieses Gebäudeteils befindet sich seit 2017 das Photo Juvenile, ein Fotostudio für Fotografie und Mediendesign.


Wir freuen uns auf Ihren Besuch am alten Bahnhof in Frömern!